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VonKarin Sebelin

Sollten wir Vertrauen als Geschenk sehen?

 

Das Thema Vertrauen ist in aller Munde.

Wir alle wissen, wie wichtig Vertrauen ist, aber sind oft nicht bereit, etwas für einen besseren Vertrauensaufbau zu tun.

Oft spricht man erst über Vertrauen, wenn es leidet oder zerstört ist.

Dabei macht es Sinn, sich rechtzeitig mit dem systematischen Aufbau oder Rückgewinn von Vertrauen zu beschäftigen.

Denn Vertrauen ist ein grundlegender Pfeiler für unseren privaten und beruflichen Erfolg.

 

Es heißt immer wieder, wir müssen anderen unser Vertrauen schenken …

 

Dr. Bernd Slaghuis, Systemischer Coach und Ökonom, schreibt in seinem Blog-Artikel „Vertrauen ist ein echtes Geschenk„:

„Vertrauen schenken funktioniert nur, wenn es auf der anderen Seite als echtes Geschenk bewertet wird. Vertrauen nicht als leere Worthülse oder gar Bedrohung, sondern als ernst gemeinte Wertschätzung.

Sehen Sie als Führungskraft oder unter Kollegen bewusst hin, ob die Person, der Sie Ihr Vertrauen schenken möchten, dies auch tatsächlich als Geschenk wahrnimmt, es annehmen möchte und es zu schätzen weiß.“

Dr. Slaghuis scheibt dann weiter: „Geschenke sind Ausdruck von Wertschätzung“.

Er rät dann: “ Verschenken Sie Vertrauen bewusst und seien Sie sich auch der damit verbundenen Pflichten und Konsequenzen dieses Geschenkes bewusst, …“.

 

Ich fand diesen Artikel spannend und möchte folgendes dazu kommentieren:

 

Sollen wir Vertrauen als Geschenk sehen?

 

Vertrauen ist auf jeden Fall wertvoll und wir sollten es nicht ohne Beachtung lassen … keine Frage!

Jedoch stört mich an der Sichtweise von Herrn Dr. Slaghuis folgendes:

Warum sollten wir Vertrauen als Geschenk bewerten?

Sollte ich extra einen Kniefall dafür machen, wenn mir jemand sein Vertrauen schenkt?

Nein!

Denn dann mache ich mich klein und erniedrige ich mich.

Jeder Mensch verdient ein gewisses Maß an Respekt und Achtung, was ja nicht heißen soll, dass man jeden Menschen wahllos mit Vertrauen „überhäufen“ sollte.

Es ist schon richtig, dass Geschenke generell ein Ausdruck von Wertschätzung sind, es bleibt jedoch dahingestellt, ob wir Vertrauen als Geschenk sehen sollten.

Noch schlimmer wird es, wenn man es so ausdrückt:

Vertrauen ist ein Geschenk, dass man immer in Ehren halten sollte.

 

Vertrauen braucht auch mal Spontaneität

 

Andersherum gesehen:

Wenn wir Vertrauen geben als Geschenk betrachten, dann ist der Gedankengang dahinter:
„Ich muss mir aber jetzt auch ganz genau überlegen, ob das Sinn macht und ob diese Person das auch verdient!“.

Warum nicht auch einmal spontan (ohne Hintergedanken und ohne viel zu überlegen) einer Person, die wir spontan sympathisch finden, das Vertrauen schenken?

Das genau macht doch Vertrauen aus … spontanes Handeln … dass die andere Person das Gefühl bekommt: „Oh, wie schön, diese Person prüft mich nicht stundenlang, ob ich es auch wirklich wert bin ..“

Spontaneität und offen sein für andere, das ist doch viel schöner …

Das erlebe ich immer wieder in anderen Kulturen (wir reisen viel .. da erfährt man auch viel über Vertrauen) … diese Offenheit und Spontaneität, das ist das was wir Deutschen noch etwas lernen müssen … das können wir nicht so … leider …

In anderen Kulturen wird meist nicht stundenlang geprüft, ob man Vertrauen verdient .. man gibt es einfach und zeigt sich offen.

 

Mir gefällt hierzu dieser Spruch:

Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat. – Matthias Claudius

Ich würde ihn dann so abwandeln:

Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man ihm spontanes Vertrauen schenkt. – Karin Sebelin

 

Vertrauen hat nicht immer etwas mit sich Bewusstwerden zu tun

 

Dr. Slaghuis meint: „Verschenken Sie Vertrauen bewusst und seien Sie sich auch der damit verbundenen Pflichten und Konsequenzen dieses Geschenkes bewusst, …“

Ich meine, man muss sich nicht immer „bewusst werden“, warum man etwas tut …

 

 

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